Agenturgründung

Letztes Jahr habe ich eine GmbH gegründet. So richtig aufregend mit Notarbesuch, beglaubigten Urkunden und Gesellschafterversammlung mit mir selbst (lel). Adieu Leben als Einzelunternehmer-Dasein, hallo Unternehmerin! 😎 Dachte also, ich starte 2020 so richtig raketenmäßig durch 🚀🚀🚀 aber dann kam Corona und machte uns allen erstmal einen fetten Strich durch die Rechnung. Heute feiert meine Agentur ROOM 707 Geburtstag – und ich dachte, das ist doch die perfekte Gelegenheit um zu berichten, wie es überhaupt zur Agenturgründung kam.

Hier kannst du dir den Post auch als Audiodatei anhören:

Mein Weg zur Agenturgründung

Anfang 2018 habe ich mich als Social Media Managerin selbstständig gemacht. Einen Gewerbeschein hatte ich schon seit Studiumszeiten: Im Studium hab ich mich eine Zeit lang als Grafikerin versucht und als „nullkomma,pigs“ (srsly, wie geil ist einfach dieser Name, Vergangenheits-Jenni???) Social Media Grafiken und Webseitengestaltung angeboten. Und SEO-Texte. Und Newsletter. Und mit meinem DIY Blog KuneCoco hatte ich auch die ein oder andere Einnahme. tldr; Im Januar 2018 wurde es dann ernst, denn ich gab meine Festanstellung auf und startete als Freelancerin.

 

Das lief auch super. Ich fand schnell erste Kunden, hatte ordentlich zu tun und keine Probleme mit der Umstellung auf „dauerhaftes Home Office“. Ganz im Gegenteil: Als introvertierte Person, die viel Ruhe braucht, hatte ich eher das Gefühl, meine Produktivität SKYROCKETE am heimischen Schreibtisch.

Warum der Schritt von Einzelunternehmerin auf GmbH?

2019 kam für mich dann zum ersten Mal der Gedanke auf, eine GmbH zu gründen. Und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ein bisschen was dazu hab ich ja schon in meinem ersten Post hier geschrieben. Zusammengefasst aber:

 

  1. Die beschränkte Haftung:
    Ja, langweiliger Grund, aber Haftungsbeschränkung und einige steuerliche Punkte spielten natürlich eine große Rolle.

  2. Professionelleres Auftreten:
    Als jemand, der seit immer schon ins Internet schreibt, sind unter meinem Namen so allerlei Dinge zu finden. Also, nichts besonders peinliches, das meine ich damit nicht. Aber eben nicht nur Portfolioreife klasse Projekte, die ich als Showcase verwenden würde. Mein DIY Blog KuneCoco ist natürlich (dank TOP SEO Arbeit 😂) unter den ersten Ergebnissen. Das ist generell natürlich okay, aber nicht jeder Kunde fühlt sich von meinem rosaroten Schweinetick angezogen. Shocking, I know.

  3. Als Selbstständige ernst genommen werden:
    Du glaubst nicht, wie häufig ich von Agenturen und Unternehmen unter einem Vorwand zu einem ersten Treffen eingeladen wurde – und statt der Projektbesprechung saß ich dann in einer Art weirdem Vorstellungsgespräch. „Wenn das Projekt gut klappt, dann können wir uns auch eine Festanstellung vorstellen!“ oder „Eigentlich suchen wir jemand fest im Team – hast du Interesse?“ Das war Zeitverschwendung auf allen Seiten. Ja, es gibt tatsächlich Leute, die glauben, jeder Selbstständige wünscht sich insgeheim in eine Festanstellung und wartet nur auf die perfekte Gelegenheit. Seitdem ich nicht mehr nur die Freelancerin Jenni, sondern eben Geschäftsführerin Jenni bin, fragt das keiner mehr. So dumm sich das im ersten Moment anhört.

Die einzelnen Schritte zur Agenturgründung

Mitte 2019 fing ich also mit der Planung der Agentur an. Welche Rechtsform? Wie viel Geld brauche ich für die Gründung? Was muss ich wo wieso weshalb anmelden? Und natürlich (sehr wichtig): Wie sollte die Agentur heißen? Die Namensfindung und Markeneintragung ist ein ganz eigenes Thema und vielleicht mal einen Extra-Blogpost wert. ROOM 707 war dann also der gewählte Name und dann fing der organisatorische Wirrwarr erst los.

 

Im ersten Step ging es zu einem Notar, bei dem ich die Gesellschaftsgründung und den Gesellschaftervertrag beglaubigen lassen musste und der die Anmeldung im Handelsregister vorbereitete.

 

Erst mit diesem beglaubigten Dokument ist es dann möglich, ein Geschäftskonto für das Stammkapital zu eröffnen und das Gewerbe anzumelden. Sobald man dem Notar (durch Kontoauszug) bewiesen hat, dass das Stammkapital vorhanden und eingezahlt wurde, kann dieser die Anmeldung für das Handelsregister fertigstellen und dem Gründer (also: mir) bleibt nur, auf Post vom Handelsregister und die Steuernummer vom Finanzamt zu warten. Dazu gleich nochmal mehr.

Agenurgründung – Fake Rechnungen

Neben der hochoffiziellen Post gibt es dann aber auch noch Betrügerpost. Was? Betrügerpost?? Wie kommt das?

 

Zum Glück hat mich der Notar schon im Vorfeld gewarnt.

 

 

Jede Unternehmensgründung wird im Bundesanzeiger veröffentlicht, mit Name und Adresse. Dies machen sich Betrüger zunutze und stellen Fantasierechnungen, die zwar hochoffiziell aussehen sollen, aber absoluter Quatsch sind. Leider fallen viel zu viele Gründer darauf rein und überweisen panisch diese Beträge, weil sie denken, es sei eine offizielle Gebühr. Diese Masche ist bekannt, man kann aber nix dagegen tun. Wow.

Warten auf die Steuernummer

Wir befinden uns nun im Herbst 2019. Der Stand:

 

✅ Markenanmeldung (optional, später mal mehr dazu)

✅ Gewerbeanmeldung

✅ Unternehmenskonto erstellt

✅ Stammkapital eingezahlt

✅ GmbH im Handelsregister eingetragen

✅ Mit Valerie sogar schon die erste Mitarbeiterin an Bord

 

Was fehlt? Vielleicht verriet es die Zwischenüberschrift schon, aber es fehlte nur noch eine, leider sehr wichtige, Sache: Post vom Finanzamt mit der Steuernummer. Ohne Steuernummer kann man bekanntlich keine Rechnungen schreiben. Weil ich aber dachte „wie lange kann das schon dauern?“ legte ich also GmbH-technisch schon mal los und stellte meine Kunden von Einzelunternehmer-Jenni auf ROOM 707 GmbH um. Ja, wie lange kann es schon dauern, eine Steuernummer zu vergeben…? Ich sags dir: Es dauerte 6 verdammte Monate. (Nein, das ist nicht normal.)

 

6 Monate, in denen ich keine Rechnung schreiben konnte, aber natürlich auch nicht NICHTS machen konnte. Immer in der Hoffnung, dass die Steuernummer schon bald reinflattern würde, haben wir also schon einmal losgearbeitet. Hat den meisten Kunden auch gefallen so „Rechnung kommt später, okay??“ – da sagt ja keiner nein. Und, wie mir das die Auskunft des Finanzamtes immer wieder beteuerte, sollte es ja quasi morgen soweit sein. Srsly, ich glaube, im Finanzamt bin ich inzwischen auf einer schwarzen Liste, so oft wie ich zwischen Oktober und März dort angerufen habe. Long Story short: Erst nach dem 3453. Anruf und Androhung einer Dienstaufsichtsbeschwerde durch meine Steuerberaterin hielt ich im März 2020 dann meine Steuernummer in den Händen und konnte endlich, endlich, endlich Rechnungen für die vergangenen 6 Monate schreiben. Aaaah, happy End. ODER?

 

Spoiler: Mit Vorauszahlungen einfordern war das Finanzamt dann ganz fix. Lel.

Und dann kam Corona

Anfang März 2020, ich endlich ready, mit Rechnungen um mich zu werfen wie Rapper mit Fuffies im Club. Und dann kam Corona. Kunden kündigten von heute auf morgen ihre Verträge, Projekte wurden auf Eis gelegt, bereits zugesagte Aufträge zurückgezogen. Viele Unternehmen und Agenturen hauten erst einmal überall die (Voll-)Bremse rein. Sicher eine Situation, die der ein oder andere hier ebenfalls so erlebt hat. Ich will jetzt auch gar nicht zu viel jammern, denn natürlich hat es andere Branchen viel, viel härter getroffen als mich als Social Media Agentur. Ich will hier auch nicht in einen digitalen Schwanzvergleich a la „mich hat Corona härter getroffen als dich“ abdriften. Ja, im Nachhinein bin ich super glimpflich davon gekommen, aber wer hat das im März denn schon ahnen können?

 

Deshalb in meinem Kopf so völliger Ausnahmezustand: Shit. Was ist jetzt, wenn meine Rechnungen der letzten 6 Monate einfach nicht bezahlt werden? Ist das Kapitel ROOM 707 schon zu Ende, bevor es so richtig begonnen hat? Wie stellt man eigentlich einen Insolvenzvertrag? Muss ich trotz Corona alle Steuervorauszahlungen jetzt schon leisten? (ja) Bin ich für die Corona-Unterstützungmaßnahmen geeignet? (nein)

 

Ja, eventuell bin ich etwas eskaliert und ja, mir ging es Anfang dieses Jahres echt nicht gut. Um ehrlich zu sein: Es ging mir richtig, richtig beschissen. Gedankenkreisel, Existenzängste galore, schlaflose Nächte, Zweifel, Wut (auf Corona im Allgemeinen, auf gewisse schlafende Finanzamtmitarbeiter im Speziellen) wechselten sich ab und generell stellte ich mir die Frage, ob das alles so ne schlaue Idee gewesen war, sich ins Abenteuer Agenturgründung zu stürzen. Ja, auch das gehört dazu. Nein, das erzählen dir die Business-Hansel in den YouTube Ads nicht, wenn sie sagen, dass jeder easy peasy „aus dem Hamsterrad ausbrechen“, eine eigene Unternehmung gründen, und zackig durch die Decke skalieren kann.

 

Nun ja. Im Endeffekt lief aber alles, wie bereits gesagt, glimpflich für mich ab: Bis auf ein paar kleinere Ausfälle haben alle Kunden ihre Rechnungen früher oder später bezahlt und ich musste nicht direkt wieder dicht machen. Yay. Das erste Agenturjahr hab ich also überstanden. 💪

Und wie geht es weiter?

Für das zweite ROOM 707-Jahr hab ich natürlich viele Pläne und Ideen. Die größte Veränderung wird sogar noch dieses Jahr passieren: Ich ziehe in ein richtiges, eigenes Büro. 🤯 Statt 24/7 Homeoffice und Geschäftsadresse in einem Coworkingspace wird es bald ein echtes ROOM 707 Büro geben. Ich freu mich mega drauf und werde ganz bald auch dazu noch näher berichten. Fest steht: Das zweite Jahr wird sicher weiterhin aufregend. ✨ 

#JENNIWORKS